Sines nach Lagos

Ach, dachte ich beim Rumradeln in Sines, dass Industrie und Land zusammengehen könnten

Kaum hatte ich gefeiert, dass das Unkraut sich die Parkplätze zurückerobert, schon sehe ich die Männer mit den Trimmern und Laubbläsern, die wieder für Ordnung sorgen.

Und mag um Sines herum noch viel Land sein, von Koexistenz kann nicht wirklich die Rede sein. Kaum sucht man nach ein paar Stichworten, schon findet man Studien über die Auswirkungen der Petrochemie in Sines auf Muscheln, die polyzyclische aromatische Kohlenwasserstoffe in höherer Konzentration haben. Auch die Bevölkerung stellt Forderungen zum Industrieentwicklungsmanagement, je nach Alter, die älteren wünschen sich bessere medizinische Angebote, die jüngeren besseres Emisionsmanagement seitens der Firmen. Im Fischereihafen gibt es ein Wohnheim, dort sehen wir relativ viele philippinische Seeleute, ob es Matrosen der großen Frachter sind, die während der Ent/Beladung dort unterkommen oder Mitarbeiter im Fischfang, ist nicht zu sehen. Im Yachthafen wird eine neue große Betonplatte gegossen vermutlich für Hallenplätze, dort vor allem schwarze Arbeiter. Es fühlt sich so an, als würde die Gemeinde den Fortschritt immer noch im Asphaltieren/ Betonieren und Bereitstellung von Mobilitätsinfrastruktur finden..

Aufbruch ganz noch im Dunkeln, aber kein schöner Sonnenaufgang, weil es so neblig/diesig ist, kaum Wind, kein Abschied. Alte Wellen und schwacher Wind von hinten, grhh. Irgendwann gegen Mittag klart es auf mit der Nachmittags Nortada und wir umrunden Cabo Sao Vicente mit gutem Blick auf gischtende Wellen und ordentlich Speed. Um die Ecke wird die Welle kürzer, da kaum fetch, aber ordentlich Wind, unser Seemansgarn metert 7 Beaufort. In Lagos begrüssen wir die Flachstelle in der Einfahrt, aber Jürgen meistert die Grundberührung souverän und dann legen wir am Wartesteg an und blicken zufrieden von der Ankunft auf die Promenade mit Palmen, Restaurants und der Altstadt. Ein dort liegender Engländer erzählt uns die nun schon zweite Geschichte über Orca-Begegnung. In Sines hatte ein Schiff schon sechs Monate gelegen. Das Paar, das die Reparatur begleitet, berichtete, der Orca habe nach dem Wegknuspern des Ruders noch einmal stolz aus dem Wasser geschaut, triumphierend „Ich habs geschafft“. Sie warteten nur noch auf die Freigabe des Boots von der Polizei. Es gibt ja die verschiedensten Theorien, ich lese eine, die berichtet, dass die Orca-Gruppe in den letzten Jahren von 50 Tieren auf 30 Tiere geschrumpft ist, weil die großen Thunfischfanganlagen sie beim Jagen und Beutemachen behindern sowie Verletzungen hervorrufen. Dazu kommt der Stress durch den vielen Bootsverkehr, sowohl kommerzieller Verkehr, Fischereiboote und viele Freizeitboote. Andere sagen, dass Segelboote gute Jagd-Trainingsobjekte sind für die Jungtiere.

In Lagos selbst ist noch Vorsaison, aber schon gibt es eine große englische Gemeinde, das Angebot ist darauf zugeschnitten: Guiness on tap, english breakfast, viel Musik. Hier tobt das Ferienleben. Am Platz neben der alten Festung ist der ehemalige Sklavenmarkt, wir schauen uns die Ausstellung an, die sich sehr vorsichtig dem Thema nähert, dass insgesamt (von allen Beteiligten) 12 Millionen Menschen aus Afrika nach Amerika und Europa transportiert wurden (10 Millionen kamen überhaupt nur an). Der Anteil der Portugiesen wird nicht ganz klar, mindestens aber die 3,5 Millionen Menschen die nach Brasilien verkauft wurden, dürften den Portugiesen zuzuschreiben sein. Wie auch auf Kuba (4,5 Mio) wurden die Sklaven für den Zuckeranbau und die Zuckerproduktion eingesetzt, in Brasilien später auch für die Kautschuk-Ernte. Die Bekehrung zum Christentum und Einbindung in die Religion wird thematisiert, indem auch Schwarze unter den von Engelsmänteln bedeckten Beati und Heiligen dargestellt werden, etwas abseits wird auch erwähnt, dass Sklaven nach dem Tod einfach zum Müll gelegt wurden..Übrigens wurde in Brasilien die Sklaverei abgeschafft zu einem Zeitpunkt, als durch die Industrialisierung klar wurde, dass man mit freien, frei kündbaren Arbeitern noch besser Profit machen konnte. Jürgen wundert sich über meinen misanthropischen Gesichtsausdruck.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.