Anholt


Von Kerteminde nach Anholt. Nach der letzten Querung der Schifffahrtswege riecht das Wasser nach sauberem Meer, frischem Tag und dunkel schwer. Dunklen Wolke, wechselnden Winden aus fragwürdigen Richtungen bricht der Tag endlich weit im Nordosten an.
Sowohl die Griechen (Eos) als auch die Inder (Usha) haben diesem Moment eine hohe Göttin zugeordnet: Schöngesichtig die Griechische Göttin, freigiebig, wohlwollend und fordernd die indische Göttin,die Farbenzuordnung ist jeweils aus der Metereologie abgeleitet. Übermüdet vergessen wir das angemessene Trankopfer des ersten Morgenkaffees.
Der Wind wird günstig und trägt uns schnell nach Anholt. Schon eine Meile vor dem Hafen liegt der Harzgeruch von trockenen Kiefern auf dem Wasser. Wie immer ist sofort die Anholt-Stimmung da: das entspannte, offene Inselglück, Sonne, klares kaltes Wasser. So gut wie keine Landwirtschaft auf der Insel, auch hier schrumpft die ständige Einwohnerzahl. Ganz offiziell sucht die Gemeinde Personen, die hier im Winter wohnen wollen. Im Sommer ist es leicht und hell, trocken und voller Lebensfreude, aber die Saison ist nur kurz und der Winter wird herausfordernd sein, keine Ablenkungen werden die Verlassenheit und Strenge der Natur vergessen lassen
Am Weg zum Havnekontor duften die Hagebutten-Rosen, schnell ins Wasser. Zum Trocknen stecke ich meine Nase in das neue H&M Handtuch- das meinige hatte ich in Heiligenhafen versenkt. Der Geruch nach strengem Insektenpulver (um Einnistung von Ungeziefer in den Transportcontainern zu verhindern), typisch in den Filialen von H&M. Eigentlich hasse ich diesen Geruch, jetzt bin ich etwas freundlicher gestimmt, wegen der Ankündigung H&Ms, keine Baumwolle aus XinJiang zu beziehen.