Sommeridylle

Risør ist voll, wir legen an einem Anleger in einer Ferienanlage an. Die Großwetterlege folgt nicht dem klassischen Sommer-Westwindschema, es ist Flaute angesagt für Morgen. Zuhause Überschwemmungen, Klima kapput.
Nachts sehe ich stundenlang zwei Sternen durch die Luke zu, die sich trotz des sommerhellen Nachthimmels zeigen. Die Stille ist ohrenbetäubend. Da- babe ich Käuzchen gehört? Regelmäßiges Platschen- ich glaube nicht, dass es ein Schwimmer ist, eher ein Tier. Bei einem Ausflug mit dem Dingy sehen wir einen Seehund, i ch habe keine Ahnung ob er beim Schwimmen Geräusche machen könnte, die man auf Wasserhöhe hören könnte. Tagsüber horche ich viel mehr als sonst: ob das Boot oder der Motor Geräusche machen, die ungewöhnlich sind, ob man sich nähernde andere Boote hört, aber vor allem die Schreie der Vögel um mich herum: Mal dominieren die Möven den Luftraum und organisieren sich durch ihre kehligen Krächzlaute, manchmal tobt eine Horde von Seeschwalben herum, oder in der Ferne beginnen sich die ersten Schwarmformationen zu bilden und erinnern daran, dass der Herbst hier oben wohl früher anfangen wird.
Vorerst ist hier aber Sommer, ein Norweger empfindet es gradezu als mediterran. Viele Familien haben drei Kinder, der Campingplatzsituation entsprechend alle ganz jung. Tagsüber schwimmen sie wie Otter im Wasser, Geplansche bis in die Nacht hinein. Generell wird das Motorboot genutzt wie ein Auto, jede Hütte hat einen Steg oder mindestens einen Haken zum Anlegen, Google weiß keinen Weg von unserer Anlegestelle bis nach Risør. Da ich nicht in die Schlafräume und eventuell dort hausende daddelnde Teenager sehe, kommt mir das Leben hier in der Anlage vor wie vor 50 Jahren. Meinem Alter entsprechend genieße ich diese Illusion.

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