{"id":707,"date":"2022-04-14T11:26:07","date_gmt":"2022-04-14T10:26:07","guid":{"rendered":"https:\/\/sy-nilsholgerson.de\/?p=707"},"modified":"2022-04-14T11:26:07","modified_gmt":"2022-04-14T10:26:07","slug":"porto","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sy-nilsholgerson.de\/?p=707","title":{"rendered":"Porto"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Die Ufer sind steil an der M\u00fcndung, die H\u00e4user w\u00fcrfeln sich \u00fcbereinander, bunt angemalt, viele mit Kacheln verziert, in allen vorstellbaren Formen der Alterung: Ganz neue Bl\u00f6cke, Kernsanierte Bauten mit guten Fenstern, Hausscheiben, in denen das Erdgeschoss gut hergerichtet ist f\u00fcr einen Laden oder ein Caf\u00e9, oder in denen die Haust\u00fcr mit Zahlenschloss auf Vermietungsaktivit\u00e4ten hinweist, manchmal ist ein Dachgeschoss auf ein altes Haus aufgesetzt, manche H\u00e4user sind verrammelt und beschmiert, bei einigen ist die Fassade stabilisiert und wartet auf weiteres. Vielleicht haben so die Reisenden im 19. Jahrhundert Italien gesehen: Die Erinnerung an gloriose Vergangenheit, hier in Porto der Reichtum aus den Kolonien, an die Machtentfaltung der Kirche, auf die dann aber eine Aufl\u00f6sung der Strukturen folgte, der Wildwuchs an Bauten und steinernen Lebenstr\u00e4umen, Jetzt die Gewinnillusionen des Immobilienhandels, \u00fcberall steht \u201evende\u201c und eine Telefonnummer, jeder will einen Claim anbieten, man sichert sich Areale f\u00fcr Condominiums oder andere Projekte. Und wie in Brasilien (eher wird es umgekehrt sein, in Brasilien hat es sich so wie in Portugal entwickelt, aber wir haben es in anderer Reihenfolge gesehen) steht ein neues Architektenhaus mit tueren Autos in der Garage neben einem mickerigen alten Haus neben einem mittleren Haus vor einem ultraneuen Block. Anders als in Spanien haben wir aber nicht so viele Eckkneipen in den Wohnregionen gesehen. Hier am Hafen wurde ein Bereich der Fischer quasi erhalten, ein paar eingeschossige Stra\u00dfenz\u00fcge sind wie vor hundert Jahren erhalten, nur einige haben neue T\u00fcren eingebaut. Die Frauen tragen viel Schwarz, karierte spitzenbesetzte Kittelsch\u00fcrzen und gestrickte kleine Capes um die Schultern. Es gibt ein Waschhaus mit Trockenleinen, jeden Tag wird dort W\u00e4sche gewaschen. Wir warten auf den Bus, die Frauen machen sich \u00fcber die Busse lustig,P\u00fcnktlichkeit, die Fahrer, ich verstehe fast nichts, aber man lacht laut, ein Wort gibt das andere, es ist ein Waschweiber-Rap.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben das moderne Museum Serralves gesehen, sehr sch\u00f6ner Bau in einem wunderbaren, riesigen Garten. Der nieselige Dauerregen zeichnet die Konturen der Baummassen weich, verflacht die Ansichten in den Sichtachsen, aber daf\u00fcr sind die Kamelien wundervoll, riesige volle Bl\u00fcten in allen Rosaschattierungen, ich kann Mimosen riechen und gute Fr\u00fchjahrserde. In der Ausstellung gibt es eine Abteilung f\u00fcr Manuel de Oliveira, den gro\u00dfen Kinomacher, der von Stummfilm bis zu den elektronischen Bildmedien alle Materialen genutzt hat. Man sieht Filmszenen, Textglossen, seine tiefe Verwobenheit in die bildliche und textuelle Kultur eines Jahrhunderts. In den gezeigten Filmsequenzen werden existenzielle Momente geschaffen, in denen die Protagonisten die gro\u00dfen Fragen des Lebens in ungeheurer Spannung zur Sprache bringen, griechischen Trag\u00f6dien gleich.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Bilderteil wird eine kleine Arbeit gezeigt, die ein guter Kommentar dazu ist: Zwei Projektoren werfen ihre Bilder teilweise \u00fcbereinander, die Bildobjekte und die Projektionslinsen sind durch Motoren rotierend bewegt. Links wird eine Art Uhrwerk abgebildet, rechts eine Scheibe eines Rauchachat-Druse mit Bergkristallen an der Drusenwand. Wenn man das Uhrwerk von der Seite betrachtet, ist alles ganz einfach, man erkennt die Bauelemente und ihre Montage. Auf der Projektionsebene sieht man wundersame Strukturen, Linien, Zacken, Balken- ich w\u00e4re nie imstande, das Uhrwerk zu rekonstruieren und ihre Verschmelzung mit den biomorphen Elementen des Minerals in zwei Faktoren zu zerlegen. Die Arbeit ist \u201eCinema\u201c benannt- ich h\u00e4tte auch Erkenntnis als Titel gut akzeptieren k\u00f6nnen. Eine weitere Arbeit in der Ausstellung hat es mir angetan, von Christine Kubisch das \u201eGew\u00e4chshaus\u201c, Kabel h\u00e4ngen von Bambusstangen, man bekommt kabellose Kopfh\u00f6rer, mit denen man durch die Drahtlianen bewegen kann. Man h\u00f6rt, abh\u00e4ngig vom Ort an dem man ist, eine Mischung aus Vogelstimmen, Wasserger\u00e4uschen und elektronischem Klangstrukturen- sehr interessant.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir holen unsere Tochter in Lissabon ab, die Zugfahrt zeigt einen guten Querschnitt von Portugal: Atlantikk\u00fcste, bergiges Naturschutzgebiet, Weinfelder und Reisanbaufl\u00e4chen, Industrievororte. In Porto haben wir dann die Livraria-Lello-Experience: Man kauft Tickets f\u00fcr einen Tag, steht lange in einer bunten Schlange an, einige Jugendliche haben Harry Potter Outfits und Zauberst\u00e4be dabei, endlich kommen wir in die Buchhandlung selbst. Einige W\u00e4nde sind verglaste Regale mit antiquarischen B\u00fcchern und Gipsb\u00fcsten der zugeordneten Schriftsteller, wenn man alles andere ausblendet, eine wundersame Art, B\u00fccher aufzubewahren. Die Schnitzereien sind pr\u00e4chtig flamboyant. Die Verkaufsregale sind stapelweise gef\u00fcllt, Lekt\u00fcre f\u00fcr beflissene Eltern, nach Nobeltreistr\u00e4ger, Portugals Meister und englisch sortiert. Im Keller ist das eigentliche Antiquariat, daf\u00fcr muss man eine Bewerbung schreiben, die gepr\u00fcft wird und bei Erfolg kann man einen Termin vereinbaren. Lt Website ist aktuell eine Erstausgabe von Moby Dick aus dem Besitz von Jim Morrison unter den Sch\u00e4tzen, wie an vielen Stellen hier liegen die Extreme dicht beieinander. Ich spreche einen Mitarbeiter an, er l\u00e4sst auch durchblicken, dass es f\u00fcr ihn als ausgebildeten Buchh\u00e4ndler keine tolle Sache ist, die Besucher zu ermahnen, die Maske wiederaufzusetzen und die Selfie-Schlangen zu organisieren. Um B\u00fccher zu kaufen schl\u00e4gt er eine Buchhandlung ein paar Schritte weiter vor&#8230;Ich glaube, die enormen Einnahmen aus dem Ticketverkauf kommen der Finanzierung einiger Projekte zugute wie der \u00dcbernahme eines Verlagshauses aus Coimbra.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine wunderbare Ecke ist der Jardim des Virtudes, hier sammeln sich Junge Leute, sitzen auf dem Gras, genie\u00dfen die Aussicht, trinken ein Glas Wein dazu, eine Ecke wie der Mirador in Lissabon:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-thumbnail\"><a href=\"https:\/\/sy-nilsholgerson.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Porto-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" data-id=\"708\" src=\"https:\/\/sy-nilsholgerson.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Porto-1-150x150.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-708\" 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