{"id":275,"date":"2021-08-13T09:49:38","date_gmt":"2021-08-13T08:49:38","guid":{"rendered":"https:\/\/sy-nilsholgerson.de\/?p=275"},"modified":"2021-08-13T09:49:38","modified_gmt":"2021-08-13T08:49:38","slug":"wattenmeer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sy-nilsholgerson.de\/?p=275","title":{"rendered":"Wattenmeer"},"content":{"rendered":"\n<p><br>Der Blick \u00fcber das Watt bei Ebbe und Sonnenuntergang war k\u00f6stlich, der Modder sah auf einmal ockergolden aus und glitzerte bis weit drau\u00dfen, zur Seite wei\u00dfe D\u00fcnenh\u00fcgel mit fahlgr\u00fcnem Strandhafer, im Vordergrund marschige Wiese, \u00fcber w\u00f6lbt von Kiefern, die chinesische Tuschemaler entz\u00fcckt h\u00e4tten. Gro\u00dfartig, dass die Niederl\u00e4nder dieses Gebiet unter die Obhut des Weltkulturerbes gestellt haben<br>Wir erleben, dass mehr als die Uhrzeit Ebbe und Flut f\u00fcr hiesige Segler viel wichtiger ist: X Stunden vor oder nach Hochwasser ist Abfahrzeit, unabh\u00e4ngig von der Zivilzeit bestimmt der Tidenkalender den Tagesrhythmus. Egal wie viel Windwelle auf der Wasseroberfl\u00e4che steht, die untergr\u00fcndige Flutbewegung ver\u00e4ndert die wahrgenommenen Distanzen, mit dem Strom kommt das Ziel auf einen zu, gegen den Strom k\u00e4mpft man gegen den R\u00fcckw\u00e4rtssog und steilere Welle an, die Zeit bis zur Ankunft dehnt sich. Ob solche Erfahrung von Kindesbeinen an das Weltverst\u00e4ndnis \u00e4ndert? In Norwegen ist die Grenze zwischen Land und Wasser klar und hart, in Holland ist sie oftmals nicht so eindeutig, es kommt auf die Zeit an, manchmal \u00f6ffnet sich ein Verbindungsweg auf dem Trockenen im Watt f\u00fcr einen gewissen Zeitraum auf einem ver\u00e4nderlichen, immer neu zu pr\u00fcfenden Weg, manchmal ist er nicht mehr begehbar. <br><br>In vielen Orten an der See ist es einfach m\u00f6glich, ein paar Meter H\u00f6he zu gewinnen und schon hat man einen panoptischen Blick, das Land liegt vor einem, von oben hat man eine zus\u00e4tzliche Perspektive, um die Verh\u00e4ltnisse zu sehen: Wo liegen die alten H\u00e4uschen, wo die neuen Hotelkomplexe, wo gibt es Felder, die bewirtschaftet sind, wo Tourismusfl\u00e4chen, Man kommt der Karte n\u00e4her, und denkt, es w\u00e4re objektiver. Ist es das? Ist die K\u00fcstenline, mit ihrer verwirrenden Inselkulissenschieberei nicht viel st\u00e4rker eine Schule der Wirklichkeitsfindung?<br> <br>Die Vielgestaltigkeit der Insel gibt Terschelling auch Raum f\u00fcr Nischengruppen: hinter der ersten Siedlungsgruppe bildet sich die Zeltstadt der Jugendlichen, die am Wochenende anreisen, in der einen Hand einen Rollkoffer, in der anderen eine ebensogro\u00dfe Soundbox auf Rollen, einer schleppt die Biervorr\u00e4te- das Wochenende wird Party. Es scheinen Hunderte von der F\u00e4hre zu str\u00f6men. <br><br>Eine andere Nischengruppe sind die Traditionssegler, viele liegen beieinander in der flachen Ecke des Hafens, es wirkt fasst wie ein Jugendlager f\u00fcr Erwachsene und Familien, man erkennt sie an den warmen derben Stiefeln. Ein Dreimaster, der aussieht, als w\u00e4re er aus der Zarenzeit reaktiviert worden,kyrillische Buchstaben am Heck, wird allgemein anerkennend begutachtet.<br><br>Terschelling bis den Haag<br><br>Die Etappe bis den Helder f\u00fchrt uns durch die Waddenzee, Tonnenstrich fahren und beobachten, wie das Land sich hebt. Den Helder ist Standort der Beneluxmarine, wir liegen im Yachtclub der Marine umgeben von allem, was die Niederlande und Belgien an schweren Fahrzeugen aufbieten. Die Clubanlagen strahlen die Solidit\u00e4t von Kriegsger\u00e4t aus, alles gro\u00df und schwer. Die Marine der Niederlande ist, bei knapp einem F\u00fcnftel der Einwohner Deuschlands etwa halb so gro\u00df wie die Deutsche Marine und macht einen durchaus m\u00e4chtigen Eindruck. <br><br>Von den Helder nach Ijmuiden zum drittgr\u00f6\u00dften Fischhafen der Niederlande. Der Hafen macht nicht den Eindruck eines Fischhafens, sondern eines rauchenden Industriehafens mit Verh\u00fcttungswerk und gro\u00dfen Sch\u00fctthalden. Dennoch wird der Strand ges\u00e4umt von Badehausreihen, quasi als Linearisierung der gestapelten Wohnhochh\u00e4user. Der Hafen ist Bestandteil eines in den 90gern gebauten Ferienresorts, Hotel, Kasino, Promenadebauten mit Chinarestaurant und Plastiksch\u00e4ufelchenvertrieb. Ein Windsurf \u2013 Basecamp ist sp\u00e4ter dazugekommen, vergangene Strukturentwicklungsvisionen. <br>Schlie\u00dflich kommen wir in Scheveningen an, bei der Einfahrt in den Yachthafen h\u00f6re ich Fahrradklingeln von oben, wir liegen in einem modernen Stadthafen, vergleichbar mit dem in Malm\u00f6. Abends ist er so voll, dass man fast zu Fu\u00df \u00fcber den Hafen gehen kann, nur eine schmale Gasse bleibt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Blick \u00fcber das Watt bei Ebbe und Sonnenuntergang war k\u00f6stlich, der Modder sah auf einmal ockergolden aus und glitzerte bis weit drau\u00dfen, zur Seite wei\u00dfe D\u00fcnenh\u00fcgel mit fahlgr\u00fcnem Strandhafer, im Vordergrund marschige Wiese, \u00fcber w\u00f6lbt von Kiefern, die chinesische Tuschemaler entz\u00fcckt h\u00e4tten. 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